
Spiel des Monats November: Antike
Jeder Spieler übernimmt die Rolle eines Führers einer antiken Zivilisation und versucht diese zu großem Einfluss und Erfolg zu führen. Hierbei ist die Nation, die man anführen darf, die einzige Sache, die im ganzen Spiel zufällig ermittelt wird. Jeder Spieler zieht eine Karte. Die Nation, die auf der Karte abgebildet ist, gilt es zu führen. Dabei haben diese Nationen keine besonderen Eigenschaften. Lediglich die Spielfarbe und die Startstädte sind von Nation zu Nation unterschiedlich.
Es gibt massig unterschiedliche hölzerne Pöppel für Armeen, Schiffe, Städte, Tempel und Fortschrittsmarker, 410 hölzerne Teile insgesamt. Die Ressourcen und die antike Währung sind kartoniert.
Jeder Spieler sucht sich einen von sieben Aktionen während seines Spielzuges aus: Eisen (1), Gold (2) oder Marmor (3) produzieren, mit Eisen Truppen erheben (4), mit Gold Fortschritte entwickeln (5), mit Marmor Tempel errichten (6), oder aber ein Manöver starten (7).
Um dies zu tun, bedient sich das Spiel eines einfachen, nahezu genialen Systems: Ein Rondell, in welchem diese Aktionen geschrieben stehen. Während ihrer Spielzüge bewegen die Spieler ihre Pöppel innerhalb dieses Rondells weiter. Drei Schritte sind frei. Möchte man sich aber mehr Schritte vorwärts bewegen, so muss man dafür Ressourcen bezahlen. Falls ein Spieler ein solches Feld überspringt, kann es bis zu drei Runden dauern, bis er wieder auf dieses Feld kommen kann, außer er ist bereit, hierfür zu investieren. Jeder Spieler möchte jede Runde Ressourcen produzieren. Aber sobald er sich entscheidet einen Tempel zu bauen oder einen Fortschritt zu entwickeln, muss er hierauf verzichten. Die Nägel beißende Frage ist also, wann produzieren, wann expandieren, wann die Fortschritte und Tempel weiter bringen? Diese schwierigen Fragen machen das Spiel aus.
Jeder Spieler ist verpflichtet, einige Runden vorauszudenken, um die ihm gegebenen Möglichkeiten zu berechnen und das Beste aus seinen Spielzügen herauszuholen. Da man pro Runde nur eine einzige Aktion ausführen kann, schreitet das Spiel sehr zügig voran, selbst wenn mit 5 oder 6 Spielern gespielt wird. Lediglich in den letzten Runden, wenn es zu vermehrten Truppenmanövern kommt, werden die Spielzüge langsamer.
Zuerst allerdings müssen die Spieler Tempel bauen, um die Verteidigung zu stärken, die Produktion zu erhöhen und die Möglichkeit, Truppen zu erheben, zu steigern. Fortschritte bringen weitere Vorteile, so z. B. schnellere Schiffe, schnellere Bodentruppen, stärkere Verteidigungen.
All diese Dinge bringen allerdings noch nicht den Sieg. Jeder Spieler versucht antike Persönlichkeiten anzuziehen. Es gibt hierfür fünf unterschiedliche Arten von Persönlichkeiten, und 35 insgesamt:
Könige werden für je 5 besetzte Städte angezogen.
Seefahrer werden für je 7 besetzte Seefelder angezogen.
Gelehrte werden für jeden Fortschritt angezogen, der vor allen anderen Nationen entwickelt worden ist.
Bürger werden für je 3 Tempel im Besitz angezogen.
Feldherren werden für jeden gegnerischen Tempel angezogen, den man zerstört.
Das Spiel endet, wenn man es geschafft hat, eine von der Spieleranzahl abhängige Anzahl an Persönlichkeiten anzuziehen. Der Spaß liegt darin, dass jeder Spieler sich auf unterschiedliche Persönlichkeiten konzentrieren kann und deshalb einen eigenen Spielstil entwickelt.
Je nachdem wie viele Punkte (Persönlichkeiten) man erreichen möchte, spielt der Kampf eine wichtige Rolle im Spiel. Es ist durchaus möglich, das Spiel zu gewinnen, ohne einen einzigen Kampf ausgetragen zu haben. Ande rerseits kommt es früher oder später zwangsläufig zu Konflikten, auch wenn alle Spieler einen friedlichen Weg suchen und Tempel und Städte bauen, da dann die Persönlichkeiten nicht für al-le Spieler ausreichen. Dies passiert im Normalfall allerdings erst in der Endphase des Spiels, da es sehr gefährlich sein kann, einen Krieg anzuzetteln, wenn die eigene Wirtschaft noch nicht gut funktioniert.
Es gibt zwei Arten von Armeen: Landeinheiten und Schiffe. Normalerweise können sie einander nicht angreifen. Die einen bewegen sich nur an Land und die anderen logischerweise nur auf dem Wasser. Falls zwei gleichartige gegnerische Einheiten in einem Land aufeinander treffen, entscheiden Angreifer und Verteidiger ob es zum Kampf kommt. Wenn ja, wird der Kampf ausgetragen. Hierbei wird ganz einfach gerechnet: Pro angreifender Einheit wird eine Verteidigungseinheit entfernt und umgekehrt, kein Würfelwurf und keine Karten beeinflussen das Kampfgeschehen. Falls eine Stadt angegriffen wird, verteidigen alle Einheiten die Stadt. Falls der Angreifer genug Einheiten übrig hat, die sich in die Stadt bewegen können, „bezahlt“ er einfach den Preis und erhält die Stadt. Falls in der Stadt ein Tempel steht, wird dieser zerstört. Feindliche Städte zerstören kann eine effektive Methode sein, die letzten benötigten Persönlichkeiten zu ergattern und das Spiel zu gewinnen.
Es ist nicht möglich, alle Persönlichkeiten zu erhalten. Also müssen die Spieler Prioritäten setzen und sich auf jene Persönlichkeiten konzentrieren, die in ihrer Reichweite liegen. Manchmal ist es eben leichter, 14 Seefelder zu besetzen, als einen hochbewachten Tempel einzunehmen. Ein wichtiger Punkt: Einmal erhaltene Siegpunkte können nicht mehr verloren werden!
Antike ist einfach toll. Die einzelnen Spielzüge sind schnell ausgeführt. Man muss immer einige Züge im Voraus planen und manchmal kurzfristig seine Strategie ändern, weil die anderen Spieler einem einen Strich durch die Rechnung machen. Das Spiel ist nicht so komplex wie sein Urvater Civilization. Man kann z. B. keine Truppen auf Schiffe laden oder Handel betreiben. Aber genau diese umständlichen Sachen würden dieses elegante Spiel zu einem langsamen 5 bis 6 Stunden Spielemonster machen, wie es andere Brettspiele dieser Art sind. Es ist vielleicht etwas einfach gehalten und bietet nicht die ultimative Abwechslung, aber alles was geboten wird, greift wunderbar ineinander und funktioniert hervorragend. Die Spieletester haben ganze Arbeit geleistet. Allem voran ist das Rondell mit den Zugmöglichkeiten lobenswert hervorzuheben. Ich glaube, dieses Rondell wird man in Zukunft auch in anderen Spielen wiederfinden. Ich bin vom Spiel begeistert!
Verlag: Eggert-Spiele [www.eggertspiele.de]
Autor: Mac Gerdts
Erscheinungsjahr: 2005
SpielerInnen: 2 - 6
Alter: ab 12 Jahren
Dauer: ca. 120 Min.
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