
Spiel des Monats Juli 2005: Dracula
Jahrhundertelang
lebte Graf Dracula zurückgezogen in seinem Schloss in Transsylvanien.
Doch nun hat der Fürst der Finsternis seine Heimat verlassen
und ist mit dem Schiff ins ferne London gereist, um dort Jagd auf
unschuldige Opfer zu machen.
Der berühmte Dr. van Helsing hat davon erfahren und ist in
die nächste Kutsche nach London gestiegen. Dort beginnt ein
Wettlauf mit der Zeit. Wenn es dem furchtlosen van Helsing gelingt,
alle Grüfte des Vampirs aufzuspüren und zu zerstören,
entzieht er dem Blutsauger die Lebensgrundlage. Doch er muss sich
beeilen, denn wenn der Graf schon zu viele Opfer gefunden hat, ist
es zu spät.
Noch ist Zeit genug, dem bösen Treiben ein Ende zu setzen.
Die Entscheidung fällt in dieser Nacht! Wer wird den Zweikampf
wohl für sich entscheiden?
Ein Spieler schlüpft dabei in die Rolle von Graf Dracula und
versucht die fünf Opfer zu finden, der andere Spieler verkörpert
Dr. Van Helsing und sein Ziel ist die Entdeckung der fünf Grüfte,
die Dracula als Unterschlupf dienen.
Jeder Spieler hat zwei eigene Kartensätze, zum einen die Begegnungskarten,
zum anderen die Handlungskarten. Die Begegnungskarten bestehen bei
van Helsing aus fünf Opferkarten, Vampirjägerkarten in
verschiedenen Stärken sowie der Kruzifix-Karte, dem Symbol
der Macht. Bei Dracula bestehen die Begegnungskarten aus fünf
Gruftkarten, Vampirkarten in verschiedenen Stärken sowie der
Amulett-Karte, dem Symbol der Macht. Die Opferkarten bzw. Gruftkarten
sind die begehrten und vielgesuchten Zielkarten des Gegenspielers.
Die Handlungskarten geben die Kampfstärke und die Zugweite
vor. Außerdem erlauben sie eine Sonderaktion und ermöglichen
das Versetzen der Barriere-Stäbchen, mit welchen die Spielfiguren
zu Umwegen gezwungen werden.
Ein Spielzug besteht immer aus der Bewegung und der anschließenden
Begegnung. Der Zug endet bei einer Begegnung mit einer Karte des
Gegners oder auf eigenen Wunsch und dem darauffolgenden Ausspielen
einer Handlungskarte. Mit der Handlungskarte wird sozusagen der
Spielzug „bezahlt“ und sie ist in diesem Moment von
ganz entscheidender Bedeutung. Wer nämlich im Kampf unterliegt
oder wer weiter gezogen ist als erlaubt, muss Energiesteine abgeben.
Ein Energiestein ist auch dann verloren, wenn van Helsing das Amulett
oder Dracula das Kruzifix aufdeckt.
Das Spiel ist zu Ende, wenn ein Spieler alle Zielkarten des Gegners
entdeckt oder ein Spieler alle Energiesteine verloren hat. Das Spielziel
ist auch dann erreicht, wenn ein Spieler einen Teil der Zielkarten
eingeheimst hat und dazu nachweisen kann, dass sich die restlichen
Zielkarten im Vorrat des Gegenüber befinden. Das ist jedoch
nur dann möglich, wenn der aktive Spieler mit seiner Figur
auf das Feld des Gegenspielers zieht und die vorrätigen Begegnungskarten
zur gegenseitigen Einsicht getauscht werden.
Dracula ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe „Spiele
für Zwei“ im Spieleverlag Kosmos, mit den besten Spielen
aus dieser Reihe kann es jedoch nicht ganz mithalten. Das Spiel
ist gewöhnungsbedürftig; es ist nämlich ungewöhnlich,
sich erst zu bewegen und dann eine Karte zu wählen, die auch
noch alles weitere des eigenen Spielzugs bestimmt. Nachdem man diese
Hürde genommen hat, eröffnet sich einem ein stimmiges,
raffiniertes, abwechslungsreiches und immer wieder spannendes Spiel
mit einem sehr gelungenen Spielmechanismus. Um die ganze Spieltiefe
erkennen zu können, braucht es schon mehrere Partien.
Dracula vereinigt Glück, Merkfähigkeit, Deduktion, Bluff
und Taktik. Das alles erfordert es, den Mitspieler genau zu beobachten
und einzuschätzen. Das Spiel gewinnt dabei von Partie zu Partie
– vor allem mit demselben Mitspieler.
Das Thema ist natürlich Geschmacksache; mir gefällt es
beispielsweise gut, meiner Frau dagegen ist es zu obskur und anrüchig.
Die Spielregel ist satte acht Seiten lang, jedoch reich bebildert
und mit Beispielen versehen. Die Spielausstattung ist einwandfrei,
Spielplan und –karten sind stimmungsvoll und ansprechend gestaltet.
Ein Wermutstropfen besteht darin, dass ich nach bisher fünf
Spielen den Verdacht hege, dass die Sonderaktionen auf van Helsings
Handlungskarten stärker sind als jene auf Draculas Karten.
Dieser Umstand kann bei zwei gleichwertigen Gegnern das Ergebnis
doch beeinflussen und wertet das Spiel ein klein wenig ab. Der Spielspaß
hat bis jetzt allerdings noch nicht darunter gelitten. Die nächsten
Partien werden endgültig zeigen, ob dieser Eindruck nur täuscht
oder den Tatsachen entspricht.
Verlag: Kosmos [www.kosmos.de]
Autor: Michael Rieneck
Erscheinungsjahr: 2003
SpielerInnen: 2
Alter: ab 12 Jahren
Dauer: ca. 30 - 45 Minuten
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