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dinxletter 04/2005: ein Auszug

Das Feuilleton: Die zehn Gebote des guten Spiels
(aus „StadtAnsichten – Das Magazin der Autostadt“, Juli 2004)

1. Du sollst gewinnen wollen
Kann schon sein, dass gerade irgendwo in der Welt Olympische Spiele bevorstehen und manch einer behauptet, es gehe ums bloße Dabeisein. Das aber ist nicht wahr. Wer nicht gewinnen will, hat bei einem Wettbewerb nichts verloren und mag sich als sanftmütiger Sozialarbeiter versuchen; ein Spiel braucht Spieler, und Spieler haben ihr Ziel im Blick und nicht die Opfer am Weg. Stell dir vor, du siegst, und niemand ärgert sich – möchtest du an einer solchen Niederlage wirklich schuld sein.

2. Du sollst keine andere Beschäftigung haben außer das Spiel
Hin und wieder kommt es vor, dass sich Niederes auf die Tagesordnung drängt: Einer wünscht vom Urlaub zu erzählen, der andere möchte die Nachrichten sehen, ein Dritter meint, den Keller aufräumen zu müssen. Höre nicht hin! Manchmal sind das Ausreden, manchmal Irrtümer, immer aber falsche Prioritäten. Spielen ist nicht, was man tut, weil alles andere erledigt ist. Vielmehr hat sich alles andere erledigt, wenn ein Spiel ansteht. Das gilt erst recht für dich selbst: Überlege dir angesichts jeder anderen Tätigkeit, ob nicht stattdessen ein Spiel möglich wäre. Und entscheide dann unvernünftig.

3. Du sollst den Regelerklärer ehren und ihm zuhören
Du möchtest gern ein gutes Spiel spielen, kein schlichtes, hast aber wie immer keine Lust, die Regeln zu lesen? Weil dich das abschreckt? Seltsam eigentlich, aber in Ordnung: Es gibt wie immer einen, der das für dich erledigt – einen Wegweiser, einen Welterklärer. Du sollst ihm dafür dankbar und selbst still sein. Du sollst seinen Worten lauschen und nicht träumen, nicht schwätzen, nicht auf die Toilette gehen und keine blöden Witze machen. Du darfst noch die dümmste Frage stellen, nur diese eine nicht: Ich habe gerade nicht zugehört, könntest du das bitte wiederholen?

Die „Spiel ’04“ in Essen vom 21. bis 24. Oktober ’04

Eine abenteuerliche Reise

Es waren einmal …
… acht abenteuerlustige dinxler, die sich eines Abends vor gar nicht langer Zeit auf den Weg zum Bahnhof machten. Alle hatten große Pläne für die nächsten Tage. Niemand wusste so recht, was ihn erwarten würde. So stiegen sie in den Zug.
Trotz später Stunde herrschte im Schlafwagen 014 bald große Umbaustimmung. Was niemand für möglich hielt, wurde Wirklichkeit: Der Schlafraum war binnen kurzer Zeit in einen Spiel-und Kinoraum umfunktioniert worden!
Nach einem spannenden „6 nimmt“–Turnier erfreuten sich die mutigen dinxler noch an einer Gute-Nacht-Geschichte: „Der Werwolf von Toblach“.
Frisch, munter und ausgeschlafen (!?) gelangten die Abenteurer am Freitag früh morgens ans Ziel ihrer langen Reise. Auf kürzestem Weg erreichten sie das Hotel, wo sie von einem äußerst freundlichen Rezeptionist empfangen wurden.
Nachdem sie das Gepäck verstaut hatten, freuten sie sich auf das Wesentlichste und den eigentlichen Beweggrund dieser langen Reise: Die Fahrt mit der U-Bahn! ... nein! ... Der Besuch der Spielemesse natürlich.
Die großen Lehrmeister gingen voraus, die Schützlinge trotteten im Entenmarsch hinterher. So standen sie vor der Kasse und zugleich vor der ersten großen Frage: acht und wie viel ist zehn?

Zwei Freiwillige waren schell gefunden, so konnten zehn „Studenten“ als Gruppe die Pforte ins Essener Abenteuerland passieren. Jeder verfolgte in den großen Hallen seine eigenen Ziele: Autoren treffen, Spiele signieren lassen, Schnäppchen jagen, von Stand zu Stand bummeln, Kontakte knüpfen, Freunde treffen, Spiele spielen, den eigenen Spiele-horizont erweitern, staunen, essen, trinken u. v. a. m.
Es war immer was los: Spieleturniere, EM der Siedler, Autogrammstunde mit Klaus Teuber, Alan R. Moon, Reiner Knizia, Franz Vohwinkel u. a., Flohmarkt, Gewinnspiele …
Am Samstagabend konnte jeder der Acht eine beträchtliche Sammlung von Eroberungen vorweisen, so dass ein freundlicher Sterzinger Kaufmann sich bereit erklärte, die Spiele in seinem Lieferwagen zu transportieren.

Abends fuhren sie noch mit der U-Bahn in die Stadt Essen zum Essen. Anschließend wurde manche Errungenschaft in langen Spielenächten ausprobiert, wobei einige von ihnen der Müdigkeit verfielen und das Bett dem Würfel vorzogen.
Nach wohltuendem und ergiebigem Schlaf wurde am Sonntagmorgen ein genau so ergiebiges Frühstück verzehrt, um für die Rückreise gewappnet zu sein.
Mit hoher Geschwindigkeit fuhren sie alsbald Richtung Sonne. Auch die kleinsten Tischchen und die ungünstigsten Raumbedingungen konnten sie nicht vom Spielen abhalten. Ungünstige Mitreisende hingegen wurden einfach und skrupellos beseitigt. Müde, aber glücklich kamen sie am Sonntagabend an.
Nach überaus erfolgreicher Expedition trennten sich die Wege der Teilnehmer wieder. Das Gepäck eines jeden war nun um einige Spiele und um viele glückliche und lustige Momente reicher!

Sabine u. Norbert Leitner

Die News rund ums Spielen

Die 24 Stunden von Catan
Im Herbst des vergangenen Jahres feierte das Spielefest „Spielewelt in Bielefeld“ sein 10jähriges Jubiläum. Da auch Die Siedler von Catan ihrem 10. Geburtstag entgegensehen, ließen sich die Organisatoren in Zusammenarbeit mit dem Siedler-Autor Klaus Teuber und dem Siedler-Verlag Kosmos etwas ganz Besonderes einfallen: Die 24 Stunden von Catan.

Vier Teams zu jeweils drei oder vier Spielern traten auf einem riesigen Spielfeld zu einer Marathonpartie über volle 24 Stunden gegeneinander an, und zwar die „Landwirte“ aus Herford (D), die „Pfeffersäcke“ aus Hamburg, die „Phantastischen Vier“ aus Berlin und die „Einsiedler“ aus Tirol. Die Teammitglieder konnten sich in diesen 24 Stunden am zehn Meter langen Spieltisch mit den 700 Spielelementen beliebig oft ablösen. Wer spielfrei hatte, konnte somit ein wenig ausruhen oder schlafen.
Zum Einsatz kam die Siedler-Basisversion mit der Seefahrer- sowie der Städte- & Rittererweiterung. Spezielle von Klaus Teuber für diesen Spielemarathon entwickelte Multiplikatoren-Joker, die bis zum Schluss nur dem Schiedsrichter-Gespann bekannt waren, sorgten ferner dafür, dass das Spiel dauerhaft spannend blieb. Erst am Spielende stellte sich dann heraus, dass die Herforder „Landwirte“ ihre Joker an der richtigen Stelle eingesetzt hatten und damit die 24 Stunden von Catan gewannen. Die Hamburger wurden Zweite, die Berliner Dritte und die Tiroler schließlich Vierte.
Der Siegerpreis für jeden Spieler des Siegerteams konnte sich sehen lassen: Eine übergroße, dreidimensionale und wertvolle Sonderedition des Catan-Spiels. Einziges Problem: Noch gibt es diese Edition gar nicht, erst im Laufe des heurigen Jahres wird sie auf den Markt kommen.

Einhellig schwärmten alle Mitspieler von der tollen Atmosphäre bei diesem Wettstreit. Sascha Dieckhöner, einer der „Landwirte“: „Es war total entspannt, alle waren sich irgendwie sympathisch, jeder hätte dem anderen den Sieg gegönnt. Es gab keinen Neid.“ Und weil das so war, wird einer der „Landwirte“ seinen Preis nach Tirol weiterschenken.
Gerhard Passler


Die 2. Internationalen
Carcassonne-Meisterschaften

Am 23./24. Oktober 2004 fanden anlässlich der „Spiel ’04“ in Essen die 2. Internationalen Carcassonne-Meisterschaften mit 64 Teilnehmern aus neun europäischen Ländern statt. Die Teilnehmer mussten sich vorher im Laufe des Jahres bei den verschiedenen Vorausscheidungen quali-fizieren, an denen insgesamt ca. 1.000 Spieler teilnahmen. Nach zwei Tagen und insgesamt 16 Runden setzte sich schließlich Steffen Krotz aus Deutschland durch und darf sich nun ein Jahr lang Internationaler Carcassonne-Meister nennen.

Gerhard Passler


Die Monopoly-Weltmeisterschaft
Als der Norweger Bjorn Andenaes im Hotel in der Tennessee Avenue Halt machte, war das sein Ende. Er konnte die geforderten 950 $ Miete nicht aufbringen und musste zwangsläufig seinen Bankrott erklären. In diesem Moment war der 36jährige Hotel-Eigner Antonio Zafra Fernandez aus Spanien um das Preisgeld von 15.000 $ reicher, denn er hatte soeben die Monopoly-Weltmeisterschaft gewonnen, die Anfang Oktober 2004 in Tokio ausgetragen wurde. Spieler aus 38 verschiedenen Ländern hatten zuvor zwei Tage lang um den Weltmeistertitel gespielt.

Gerhard Passler

Jede Menge zusätzliche, aktuelle News rund ums Spielen
findest du in der dinxletter 4/2005

 

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